Georgien – Über Hürden und mit Überraschungen nach Tuschetien

Wir machen ernst und versuchen, uns auf den Weg Richtung Tuschetien, eine der abgelegensten Orten in Georgien, zu machen.


Versuchen darum, weil uns irgendeine höhere Macht augenscheinlich daran hindern möchte dies zu erreichen.
Zuerst warten wir auf ein Paket von Amazon, was über 2 Wochen dauert und sich am Schluss als überaus komplexe Angelegenheit entpuppt. Schon sehr angenehm, wie das in der Schweiz mit den Online-Shops funktioniert. Heute bestellt, morgen im Briefkasten – wusstet ihr, dass es in Georgien nicht einmal Briefkästen gibt!?
Als wir das Paket nach stundenlanger Bürokratie endlich in unseren Händen hielten, wurde Beni krank. So wurden wir wieder für mehrere Tage von der Weiterreise abgehalten.

Ein paar Tage später, Beni auf Halbmast, ging es zu unserer Freude weiter in Richtung Sioni. Weil Beni sich noch nicht ganz fit fühlte, suchten wir etwas ausserhalb der Stadt nochmals eine Unterkunft. Schnell stellten wir fest, dass sämtliche auf Google Maps oder Booking.com eingetragene Unterkünfte nicht mehr existieren (danke Corona). Das Abklappern der Unterkünfte raubte uns sehr viel Zeit und Nerven! Schlussendlich beschlossen wir erschöpft den anfänglich geplanten Zeltplatz anzusteuern.
Plötzlich klingelte das Mobiltelefon, am anderen Ende der Leitung war Rainer (unser neuer Schweizer Kollege aus Tiflis). Er sei soeben an uns vorbei gefahren und unterwegs zu einem Freund, bei dem er Möbel für seine Pizzeria abholen wolle. Er fragte uns, ob wir auf einen Drink vorbeikommen wollen. Verschwitzt und müde wie wir waren, nahmen wir bei den 37°C das Angebot dankend an.
Wenige Minuten später trafen wir bei Rainer, Khatuna und Zura ein, wurden verköstigt und sogar zum Übernachten eingeladen. Als Khatuna uns zu späterer Stunde sogar anbot, ihr Familienferienhaus in Sioni nutzen zu dürfen, wiegten wir uns wieder auf der Seite des Glücks.

Nicht ganz ausgeschlafen wegen des Lärms des nächtlichen Wettjaulens zwischen Hunden und Schakalen pedalierten wir, Beni wieder in Schuss, durch wunderschönen und Schatten spendenden Wald nach Sioni. Nach einem letzten, gefühlt senkrechten Anstieg, erreichten wir die einfache Hütte mit prächtigem Garten, wo Dima und sein Vater bereits für die Schlüsselübergabe auf uns warteten.
Der Ort war perfekt, um uns einen Tag auszuruhen – dachten wir.
Denn aus einem Tag wurden vier. Nicole hat die Grippe auch noch erwischt. Unsere Misere schilderten wir Dima, woraufhin er uns anbot, seine Hütte gratis zu nutzen so lange wir wollen 😃. Eine unglaublich nette Familie!

Da uns Komoot schon oft in die Irre geführt hat, nutzte Beni die Zeit in Sioni und kundschaftete unsere weiter durch den Wald führende Route aus. Zuerst mit der Drohne, dann selber vor Ort, wo er auch noch einen Einheimischen nach seiner Einschätzung fragte. Alles deutete auf einen durchaus machbaren, aber anspruchsvollen Weg hin. Durch diese Abkürzung würden wir uns einige Kilometer einsparen.
Nach vier Tagen fühlte sich Nicole bereit, sich der Wald-Challenge anzunehmen. Leider ging unser Plan nicht auf.

Unser Leid zusammengefasst: Nach 4 Stunden des Hochschiebens unserer Velos über die verwucherte Waldstrasse kapitulierten wir völlig zerkratzt, erschöpft und den Tränen nah (einen genaueren Eindruck unserer Emotionen seht ihr im Video).
Dima musste bei unserer erneuten Anfrage für eine weitere Nacht in der Hütte innerlich bestimmt schmunzeln 😅.

Am nächsten Tag rollten wir locker flockig über den „Gombori Mountain Pass“ bei schönstem Asphalt (dies ist die Alternativroute zur Waldstrecke). Den Umweg nehmen wir jetzt gerne in Kauf.
Doch der Schreck war noch nicht zu Ende. Als wir abends unser geliebtes Zelt aufbauten, knackste eine Zeltstange und das Verbindungsstück war eingerissen (vermutlich hatte diese Stange bereits vorher einen Hick abbekommen). Nun galt es, rasch unsere Zeltstangen-Reparaturhülse hervorzuholen und einzusetzen, denn es kam urplötzlich ein Sturm mit Böen bis zu 90 km/h auf. Der Sturm dauerte die ganze Nacht an und wir bangten um unser Zelt. Am Morgen konnten wir wieder einmal ein Loblied singen, denn es hat keinen Schaden genommen und hat dem Sturm getrotzt. Auch die Ersatz-Zeltstange wurde durch Nordisk auf Garantie bereits an uns versandt – super Kundenservice!

Ziemlich müde fuhren wir runter ins Tal und weiter Richtung Pshaveli. In einem etwas grösseren Dorf kurz vorher deckten wir uns für das Abenteuer Tuschetien noch mit Essen für mindestens vier Tage ein. Wir erkundigten uns bei einem Einheimischen, ob es in der Nähe ein Restaurant gäbe. Er meinte daraufhin, wir sollen ihm hinterher fahren, er werde uns zum Restaurant navigieren. Gelandet sind wir dann nicht im Restaurant, sondern bei seiner Familie, die für uns ein Festmahl auftischten inkl. selbst-gemachtem Wein.

Obwohl wir gerne noch länger mit der netten Familie zusammen gesessen wären, wollten wir uns dennoch langsam auf den Weg machen. Wir planten an diesem Tag noch einen Teil der Strecke hoch zum Abano Pass zu schaffen. Ab dem Dorf Pshaveli beginnt der 2’570 Meter hohe Anstieg zum auf 2’826 m.ü.M. gelegenen Abano Pass. Die Strasse gilt als eine der gefährlichsten Strassen Europas. Es kommt immer wieder zu Steinschlägen und Erdrutschen und ist ziemlich schmal mit steilen Abhängen ohne Leitplanken. Wir nehmen uns vor, diese extrem steile Schotterstrasse in zwei Tagen zu bezwingen. Ungefähr in der Mitte befindet sich der einzig mögliche Übernachtungsplatz direkt bei einer heissen Quelle, wo wir unsere Muskeln regenerieren können. Sie ist mitten im Nirgendwo mit super Ausblick auf den Hohen Kaukasus und wir fühlen uns so pudelwohl, dass wir gut und gerne zwei Stunden planschen und geniessen.

Ausgeruht und top motiviert ging es am nächsten Tag an die 2. Etappe hoch zum Pass. Es galt nochmals über 1’000 Höhenmeter in die Pedale zu drücken. Je höher wir kommen, desto anstrengender wird es auch mit dem Atmen und vor allem für Nicole fühlt es sich an, als würde der Anstieg nie zu Ende gehen. Doch auf sie wartet auf dem Pass noch eine unglaubliche Überraschung und Belohnung, welche Beni noch in Sioni aufgleiste. Für ihn war klar, dass eine Frau, die ihm über die gefährlichste Strasse Europas folgt, definitiv die richtige ist. So ging er auf dem Pass vor Nicole in die Knie und hielt um ihre Hand an ❤️. Sie sagte JA! Diesen Moment werden wir beide niemals vergessen. Es passte einfach alles, war wunderschön, überraschend und an einem solch magischen Ort sich zu verloben ist etwas ganz Besonderes.

Im nächsten Blogbeitrag nehmen wir euch mit runter zu den Dörfern von Tuschetien.

Für noch mehr Einblicke in unseren Veloalltag schaut euch unser neustes Video an:

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8 Kommentare zu „Georgien – Über Hürden und mit Überraschungen nach Tuschetien“

    1. Nicole und Beni,
      wundertoll, was ihr letztens wieder erlebt habt. die Berichte sind jeweils spannend wie ein Krimi, die Bilder eindrücklich und das Erlebte einmalig und eindrücklich 👍 danke, dass ich ab und zu auf euren Abenteuer dabei sein kann …
      ich freu mi scho uf dVerlobigsparty 🤩 härzliche Glückwunsch 🌹🌹🌹

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