Georgien – Waschlowani-Nationalpark, der krönende Abschluss

Tuschetien noch immer in den Beinen, brechen wir auf zu unserem letzten grossen Abenteuer in Georgien, dem Waschlowani-Nationalpark.

Auf dem Weg dorthin liegt der hübsch herausgeputzte Ort Sighnaghi auf einem Hügel mit Blick auf die Weinregion Kachetien. Aufgrund der malerischen Kulisse und der romantischen Ambiance gilt Sighnaghi als Stadt der Liebe. Im Rathaus kann während sieben Tagen und 24 Stunden rund um die Uhr standesamtlich geheiratet werden. Für einen ganz kurzen Moment überlegten wir uns, ob wir das nicht auch machen sollen 😁. Keine Angst, natürlich wollen wir euch dabei haben!

Um in den Nationalpark zu gelangen, benötigt man ein Permit, da er an Aserbaidschan grenzt. Das Permit kann im Ort Dedoplistskaro für wenig Geld (5 Lari pro Person pro Tag mit Velo) erworben werden. Da es bis zur Ausstellung der Bescheinigung einen Tag dauern kann, haben wir uns in der Unterkunft „Teo’s Cottage“ mit Lisa & Dario verabredet und mit Hilfe des Inhabers alles in die Wege geleitet. Mit einer riesen Vorfreude, den Park zu viert zu befahren und auf das Permit wartend, erkundeten wir den naheliegenden „Eagle Gorge“, eine Kalksteinfelsenschlucht.
Da es im ganzen Park keine Einkaufsmöglichkeiten und Wasserquellen gibt, machten wir uns auf den Weg für unseren Grosseinkauf. Es hiess Essen und Trinken für 4 Tage + 1 Reservetag einzukaufen 😅.

Es stand uns ein grosses Abenteuer bevor. Als wir das erste Mal die ungefähre Komoot-Route gesehen haben, dachten wir bei den täglichen 40 km nichts Böses – wir wurden eines Besseren belehrt. Die Strecke führte uns nämlich durch ausgetrocknete Fluss- und Bachläufe, staubige, sandige und bei Regen schlammige Naturstrassen. So holperten wir gemächlich durch die wunderschönen Landschaften und fielen abends jeweils todmüde ins Zelt.
Bei einer solchen Abenteuerfahrt wird eine Freundschaft (und natürlich auch eine Beziehung) hart auf die Probe gestellt. Tagtäglich erlebten wir sehr intensive Höhen und Tiefen mit Dario & Lisa, die wir bis vor Georgien noch gar nicht gekannt haben. Umso mehr sind wir dankbar und glücklich darüber wie toll das bei uns vieren geklappt hat. Wir halfen uns gegenseitig aus dem Schlamm, motivierten uns und genossen beim abendlichen Zusammensein die guten Gespräche und das gemeinsame Kochen.

Was sich unseren Augen an landschaftlichen Höhepunkten bot, war unglaublich. Mehrmals täglich wechselte die Kulisse von steppenartigen Weiten, über sandige Wüstenpisten bis hin zu Fahrten durch tiefe Schluchten. Auch das Tierreich wartete mit Schildkröten, Kropfgazellen, Adlern, Geiern, Füchsen, Hasen und hart arbeitenden Ameisen auf.
Der Nationalpark bietet Lebensraum für 25 Reptilienarten, weit über 100 einheimische Vogelarten und insgesamt 46 Säugetierarten. 2004 konnte sogar ein Kaukasischer Leopard mit einer Kamerafalle aufgenommen werden.

Entgegen unserer Erwartungen merkten wir, dass es doch möglich war, Wasser zu finden. So trafen wir am 2. Tag auf den Grenzfluss Alasani, der die Grenze zu Aserbaidschan bildet, wo wir zumindest Wasser fürs Kochen und Duschen auffüllen konnten.

Gut hatten wir bei der Planung einen Reservetag einberechnet, denn am 3. Tag war Regen für den Nachmittag angesagt. Somit endete dieser Tag bereits kurz nach dem Mittag und wir kuschelten uns noch rechtzeitig in unsere Zelte. So verliessen wir die Zelte nur noch kurz für das Nachtessen und harrten danach drinnen bis am nächsten Morgen aus.

Entspannt gingen wir den nächsten Tag an, das Motto hiess „je später wir losfahren, umso trockener die Strasse“, diese hat sich nämlich über Nacht in eine Schlammpartie verwandelt. Wahrscheinlich noch etwas zu früh starteten wir am späten Morgen. Bereits nach 2 km blockierten unsere Räder durch die vom Schlamm verstopften Schutzbleche. Bei Beni’s Velo katapultierte es durch den Schlamm sogar den Riemen aus dem Ritzel und der Riemen verdrehte sich sehr ungünstig, was wir später noch zu spüren bekamen. Auf jeden Fall entschieden wir uns für eine vorgezogene Mittagspause.

Schnell stellten wir fest, dass es nicht unser Tag war. Zuerst die blockierten Räder und der rausgesprungene Riemen, dann riss Beni’s Riemen bei einem steilen Anstieg komplett. Es ist nämlich so, dass ein Riemen nie verdreht oder gefaltet werden darf, damit die Carbonfaser des Riemens nicht beschädigt wird. Glücklicherweise hatten wir einen als Reserve dabei, trotzdem schade für den sonst noch tadellosen „alten“ Riemen. Als wäre dies noch nicht genug, übersahen wir beim Zeltplatz an diesem Abend einen dornigen Ast. So kam es, dass sich Beni mitten in der Nacht wunderte, wieso Nicole im Vorzelt auf ihr flach gedrücktes Mätteli starrte 😅. Zumindest konnten wir den Ast/Übeltäter ausfindig machen, das Flicken mussten wir auf den Tag verschieben, damit wir mit Seifenwasser das Loch eruieren konnten.

Am 5. und letzten Tag kämpften wir uns mit viel Gegenwind zurück in die Zivilisation. Wir freuten uns jetzt schon auf das köstliche Essen in „Teo’s Cottage“, den Wein, das Bier und Wasser, das nicht abgestanden schmeckte 😋.

Über unsere Rückfahrt nach Tiflis, den Rückflug und die Ankunft zurück in Europa werden wir euch im nächsten Blog berichten 😃.

Für noch mehr Einblicke in unseren Veloalltag schaut euch unser neustes Video an:

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6 Kommentare zu „Georgien – Waschlowani-Nationalpark, der krönende Abschluss“

  1. Gratuliere euch zur bestandenen Halbzeit, unglaublich was ihr da geschafft habt 👍
    Wünsche euch eine gute Heimreise!

    Liebe Grüsse
    Rico

  2. Wunderschöne Landschaft! Und immer wieder spannend von euren Abenteuern zu lesen. Schön, dass ich dadurch immer das Gefühl habe in gewisser Weise dabei zu sein! Vielen Dank dafür! 🙃

  3. Pingback: Georgien - Abschied von einem faszinierenden Land - Kommt Zeit Kommt Rad

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