Gran Canaria – Farben, Felsen, Berge und eine flache Isomatte

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Zur Insel

Gran Canaria ist die drittgrösste der Kanarischen Inseln, nach Teneriffa und Fuerteventura. Auf einer Fläche von rund 1’560 km² leben etwa 850’000 Menschen, womit die Insel zu den dichter besiedelten der Kanaren gehört.
Die Insel bietet auf engem Raum eine aussergewöhnliche landschaftliche Vielfalt: trockene und warme Regionen im Süden, grünere und feuchtere Gebiete im Norden sowie ein gebirgiges Inselinnere mit tiefen Schluchten und markanten Felsformationen.
Gran Canaria zählt jährlich mehrere Millionen Besucher.


Nach der 80-minütigen Fährfahrt treffen wir in Agaete auf Gran Canaria ein. Um den grössten Teil der kommenden Regenfront im Trockenen auszusitzen, entscheiden wir uns im verschlafenen Ort gleich 2 Nächte in einer Unterkunft zu buchen. Als wir nach dem Self-Check-in im Zimmer einchecken, bemerken wir, dass das Zimmer noch nicht gereinigt wurde. Dies melden wir im WhatsApp Chat, welcher von der Unterkunft als Kommunikationsweg genutzt wird. Als wir die Bilder der dreckigen Unterkunft übermitteln, wird uns mitgeteilt, dass sofort jemand vorbeigeschickt wird. Nach mehreren weiteren Nachrichten und fast 2 Stunden Wartezeit, haken wir etwas genauer nach und fragen konkret nach, wann jemand kommen wird, denn wir hätten eine Dusche dringend nötig. Die Antwort war „Der Ticketstatus lautet: Noch nicht gesehen“…toll, wir haben die ganze Zeit mit einer KI geschrieben, was für eine tolle Zukunft 🤪. Um es kurzzufassen, nachdem wir dann doch noch jemanden (einen Menschen) telefonisch erreichten, konnten wir das Zimmer wechseln und endlich die wohlverdiente Dusche geniessen.

Die Pause hat gut getan, wir fahren weiter entlang der alten Küstenstrasse mit wenig Verkehr und spektakulären Ausblicken. Das Wetter ist noch unbeständig, es regnet immer mal wieder kurz, die Temperaturen sind aber mit ca. 17 Grad ganz okay. Bei einer kurzen Pause schweifen unsere Blicke hinunter zu einem verlassenen Strand mit vielen Büschen und Bäumen, was uns als idealer Schlafplatz für die windige Nacht erscheint. Zudem wollten wir schon immer mal direkt am Meer zelten. Als wir dann nach 3 Bachüberquerungen, die wir barfuss durchwateten und bis zu den Knien im Wasser versanken, begriffen wir dann auch, warum der Platz so leer war 😅. Unserer Erfahrung nach fordern die schönsten Plätze jedoch immer ihren Tribut und es lohnt sich!

Vor uns liegt der über 3 km lange Túnel de La Aldea, welcher uns vom eher regnerischen Teil im Nordwesten Richtung Süden führt. Wir sind positiv überrascht wie velofreundlich der Tunnel ist, es gibt ein Signalsystem, welches die Velofahrer erkennt und dann automatisch die rechte Spur für die Autofahrer sperrt und eine sichere Fahrt für uns ermöglicht – sollen wir das im Gotthard-Tunnel auch einführen 😂😉? Im prallen Sonnenschein werden wir auf der anderen Seite rausgespuckt. Immer wieder spannend, was 3 km wettertechnisch ausmachen können. Wir befinden uns zum Glück jetzt wieder in einer trockeneren Region.

Die heutige Zeltplatzsuche gestaltet sich sehr schwierig, es ist vieles eingezäunt und Privatgelände. Wir sehen eine Strasse mit einem Fahrverbot für Autos und Motorräder, was sehr oft ein willkommener Vorbote für einen ruhigen Zeltplatz darstellt. Auf der Karte prüfen wir kurz den Weg und freuen uns, dass die Schotterstrasse mit einem kleinen Umweg sogar weiter auf den Pass führt, den wir sowieso überqueren werden. Es stellt sich heraus, dass dieser Weg viel schöner ist, als der ursprünglich geplante, denn die verlassene Strasse mit den gewaltigen Ausblicken erinnert uns stark an Georgien, was unser Herz aufblühen lässt. In der Ferne sehen wir die ursprüngliche Route mit viel Verkehr und wir freuen uns noch mehr.

Auf dem Pass angekommen, stossen wir wieder auf die viel befahrene Strasse, welche uns vorbei an dem Highlight Los Azulejos de Veneguera führt. Es handelt sich dabei um farbige Felswände, die mit ihren grünen, bläulichen und rötlichen Schattierungen fast unnatürlich wirken – daher auch der Name „Azulejos“, was so viel wie „Kacheln“ bedeutet. Die Farben entstehen durch vulkanisches Gestein, das im Laufe der Zeit durch Hitze und chemische Prozesse verändert wurde. Besonders die grünlichen Töne stammen von Mineralien wie Chlorit, die sich unter hohem Druck und hohen Temperaturen gebildet haben. Neben der aussergewöhnlichen Farbgebung bietet die Umgebung noch zahlreiche Naturpools, welche von den Wasserfällen gespeist werden und für ein kühles Bad einladen.

In der schönen Region von Mogán wollen wir einen Pausentag einlegen, können aber wie so oft keine erschwingliche Unterkunft finden – unglaublich, alles ist ausgebucht oder total überteuert. Schon bei der Passabfahrt erblickten wir jedoch ein vielversprechend aussehendes Plätzchen weit ausserhalb des Dorfkerns, das wir nun ansteuern. Über Bach, Stock und Stein führt uns der Weg an einen wunderschönen Platz. Eine Palme spendet uns den nötigen Schatten sowie eine Aufhängemöglichkeit unseres 10 Liter Duschwassersacks, der Bach liefert uns das nötige Wasser und das alles mit einem Blick auf die farbigen Felswände von Los Azulejos de Veneguera. Es kann kaum besser sein und wir schlafen 2 Nächte dort.

Gut, dass wir die Ruhe nochmals so richtig genossen haben, denn nun geht es in den Süden nach Maspalomas, den touristischsten Ort der Insel. Eigentlich sind wir nur aus einem Grund dort: Wir wollen die bekannten Sanddünen direkt an der Küste bestaunen. Doch als wir die Menschenmassen erblicken, machen wir auch hier eine sofortige 180° Drehung und entschliessen uns, direkt wieder hoch in die Berge zu radeln. Es war gut, dass wir am späten Nachmittag schon einen Teil der steilen Strasse fahren konnten, da um diese Zeit alle Ausflügler nach Maspalomas zurückkehrten und wir somit auf unserer Fahrbahn freie Fahrt hatten. Das Gegenteil haben wir dann am nächsten Morgen erlebt, als wir abwechselnd von riesigen Rennvelofahrer-Gruppen und Autos sowie Reisecars überholt wurden. So viele Rennvelofahrer haben wir in unserem Leben noch nie gesehen! Wir können aber gut verstehen, dass sich viele Velofahrer für diese Route entscheiden, da das Wetter oft fantastisch und die Landschaft mit den Schluchten und Bergen einfach unglaublich schön sind.

Nach einer Nacht an einem paradiesischen Wildcampingplatz entscheiden wir uns für die folgende Nacht für einen offiziellen Gratis-Campingplatz auf 1’220 m.ü.M.. Zum Glück sind wir alleine, so können wir uns noch vor Sonnenuntergang duschen, denn in der Nacht wird es hier oben empfindliche 4°C. Einmal mehr sind wir stolz auf unsere Ausrüstung, die für fast alle Eventualitäten gerüstet ist. Denn viele können diese tollen Campingplätze nicht nutzen, weil sie zu wenig warme Kleidung und Schlafausrüstung dabei haben. Natürlich schleppen wir dieses Gewicht mit, aber wenn man(n) sogar noch einen Gleitschirm dabei hat, spielt es sowieso nicht mehr so eine Rolle 😅. Der einzige Ausrüstungsgegenstand, der uns schlaflose Nächte, im wahrsten Sinne des Wortes, bereitet, ist die Isomatte von Beni. Sie hat mittlerweile durch den feinen, scharfkantigen Vulkanstaub der Kanaren dermassen viele Löcher, dass wir sie nicht mehr dicht bekommen. Sie hält noch knapp 1 Stunde bis Beni jeweils den Boden küsst und sie wieder aufblasen muss. Der Hersteller Therm-a-Rest hat den Garantieaustausch bereits zugesichert, allerdings kann die Isomatte nicht zu uns versendet werden, da die Kanaren nicht Teil des Mehrwertsteuergebiets der EU sind. Somit wird die Matte zu Beni’s Vater nach Hause geschickt, von wo er sie uns dann weiterschickt, sobald wir wieder auf dem Festland sind. Somit sputen wir uns ein wenig, um nach Las Palmas im Nordosten der Insel zu gelangen, wo wir hoffen, eine provisorische Lösung zu finden.

Die Fahrt nach Las Palmas ist nochmals richtig grandios, denn wir können gut 1’700 Höhenmeter runterbrettern. Wie auch auf den anderen Inseln ist der Nordosten durch den Nordost-Passatwind bedingt eher kühl, regnerisch und dafür grün. Das gefällt auch den Zecken, die uns in der letzten Zeltnacht vor Las Palmas regelrecht überrennen. Das merken wir leider erst, als wir das Zelt bereits aufgestellt haben und im Zelt sitzen – es krabbeln haufenweise Gemeine Holzböcke am Zeltstoff entlang hoch. So müssen wir jedes Mal, wenn wir das Zelt verlassen wollen, zu zweit schauen, dass wir keine Zecken ins Zelt mit hinein nehmen.

In Las Palmas angekommen, geniessen wir gutes Essen, planen unsere Weiterfahrt auf der nächsten Insel Fuerteventura, Beni geht Gleitschirmfliegen und wir flicken Beni’s Isomatte provisorisch mit Panzertape.

Für noch mehr Einblicke in unseren Veloalltag schaut euch unser neustes Video an:

1 Gedanke zu „Gran Canaria – Farben, Felsen, Berge und eine flache Isomatte“

  1. Immer wieder spannend Eure Reiseberichte zu lesen. Wir wünschen Euch weiterhin viele schöne Abenteuer und spannende Begegnungen mit Einheimischen.
    Allzeit gute Fahrt!
    Willy & Graça

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