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Teneriffa ist die grösste der Kanarischen Inseln und wirkt im Vergleich zu El Hierro fast wie eine eigene kleine Welt. Während El Hierro mit rund 11’000 Einwohnern sehr ruhig und ursprünglich geblieben ist, leben auf Teneriffa über 900’000 Menschen. Auch flächenmässig ist der Unterschied deutlich: Teneriffa ist etwa zehnmal so gross wie El Hierro.
Noch extremer wird der Vergleich beim Tourismus: Teneriffa zählt jedes Jahr mehrere Millionen Besucher (rund 5–6 Millionen), während sich nach El Hierro nur ein Bruchteil davon verirrt.
Kurze Info:
Mit dem Blog sind wir etwas in Verzug. Wir sind vor 3 Tagen, aufgrund des Sturms Theresa auf den Kanaren, ca. 1 Woche früher schon aufs Festland (Spanien, Cadiz) zurückgekehrt.
Übrigens findet ihr auf der Startseite eine Karte, die ziemlich aktuell zeigt, wo wir gerade sind.
Während uns auf El Hierro nur wenige Autos pro Stunde kreuzten, müssen wir in Los Cristianos auf Teneriffa acht geben, dass wir nicht aus Versehen auf der dreispurigen Autobahn landen. Im hektischen Strassenverkehr, wo es nicht nur regelmässig staut, sondern auch von allen Seiten Touristen mit ihren E-Scootern und Seniorenmobilen durch die Gegend fahren, müssen wir uns zuerst wieder zurechtfinden. Schnell merken wir aber, dass eine touristische Insel nicht nur Nachteile hat. Die Speisekarte hat sich plötzlich von den typischen 10 spanischen Gerichten wie z.B. Papas fritas und Papas arrugadas mit Fleisch, ausgeweitet zu indisch, chinesisch oder was auch immer das Herz begehrt. Auch das Buchen von Campingplätzen beansprucht nicht mehr Tage, sondern kann ganz einfach mit einem Onlineformular abgewickelt werden.
Ausnahmsweise haben wir für diese Insel zu Beginn bereits einen ganz konkreten Plan: Wir fahren rund 10 km Richtung Nordwesten, raus aus dem Trubel Richtung Adeje. Dort war Beni schon einmal für ein paar Tage mit einer Gruppe zum Gleitschirmfliegen – und genau das macht er auch dieses Mal wieder.
So quartieren wir uns für fünf Tage in einer Unterkunft in einem relativ ruhigen Ort ein. Für einmal sind wir getrennt unterwegs und sehen uns jeweils nur kurz beim Frühstück und am Abend.
Beni geniesst vier abwechslungsreiche Flugtage. Einzig die getrübte Sicht durch den Saharastaub war etwas schade, da sie auch einiges an Thermik blockierte. Unterwegs ist er mit Para42, einem Unternehmen, das seit vielen Jahren von November bis März täglich (teilweise instruierte) Flüge anbietet. Das bedeutet: Man wird zu einem Fluggebiet gebracht, das an diesem Tag voraussichtlich gute Bedingungen bietet, und erhält ein kurzes Briefing. Alle Entscheidungen trifft man jedoch selbst, da es sich nicht um eine Flugschule handelt.
Besonders praktisch ist, dass man nach einer Aussenlandung einfach seinen Standort an den Fahrer senden kann und dann wieder eingesammelt wird. Meistens gibt es einen längeren Flug um die Mittagszeit und am Abend noch einen gemütlichen Sonnenuntergangsflug mit Landung am Strand.









Nach diesen für Nicole entspannten und für Beni erlebnisreichen Tagen soll es mit dem Velo weitergehen – hinauf auf den BC-1 Ruta Forestal del Norte Mountainbike-Trail, der durch Teile des Teide-Nationalparks führt. Die Planung erweist sich jedoch als komplizierter als gedacht: Es scheint, als wäre etwa die Hälfte der Strecke wegen Erdrutschen oder anderen Problemen gesperrt.
Wer schon einmal auf den Kanaren wandern war, kennt dieses Phänomen vielleicht: Extrem viele Wege sind gesperrt – oft einfach aus dem Grund, dass niemand die Verantwortung übernehmen will, falls etwas passiert. Der Weg selbst wäre eigentlich problemlos begehbar. Es ist ein bisschen so, als würde man in der Schweiz alle exponierteren Wanderwege schliessen. Klar gäbe es vielleicht weniger Unfälle (zum Beispiel von Leuten, die mit Flip-Flops für ein Selfie auf einen Gipfel steigen), aber die Freiheit wird stark eingeschränkt – und man weiss nie so genau, wie ernst eine Sperrung wirklich ist.
Fährt man nämlich in die Nähe und fragt nach, sagen selbst Ranger oft, dass es kein Problem sei – und auch die Einheimischen ignorieren viele Verbote ganz selbstverständlich. Trotzdem sollte man die Situation nicht unterschätzen: Gesunder Menschenverstand ist entscheidend. Am besten tastet man sich langsam heran, sammelt Erfahrung und spricht mit den Locals.
Mit Proviant für drei Tage im Gepäck entscheiden wir uns, dass der erste Teil sicher machbar sein sollte – und schauen dann vor Ort weiter.
Also geht es ran an die Höhenmeter, denn der Trail startet auf 1’620 m ü. M. Erschwerend kommen starker Wind und zeitweise Regen hinzu. Der Wind bläst so heftig von der Seite, dass wir die Velos teilweise schieben müssen. Zu dieser Zeit spielt das Wetter auf den Kanaren ohnehin verrückt: So viel Regen und so starke Winde gab es seit über zehn Jahren nicht mehr.
Die positiven Auswirkungen sind jedoch deutlich sichtbar – sogar auf Satellitenbildern: Es grünt und blüht viel mehr als sonst.
Hier als Beispiel der Vergleich auf Fuerteventura von 2025 und 2026:

Als wir schliesslich am eigentlichen Startpunkt des Trails ankommen und ins Naturschutzgebiet eintauchen, können wir aufatmen: Endlich sind wir windgeschützt. Wir geniessen die Einsamkeit und die ätherischen Düfte der Nadelbäume.
Der Weg führt leicht bergab, bis wir einen der zahlreichen kostenlosen Campingplätze erreichen (El Lagar). Wir sind ganz allein dort, und der Platz bietet sogar eine Sanitäranlage mit kalter Dusche, Toilette und Abfalleimern.

















Auch herrlich ist der Anblick des schneebedeckten, 3’715 m hohen Gipfels des Teide, der sich immer wieder zeigt.
Die stürmische Wetterlage verschlechtert sich jedoch erneut und zwingt uns, bereits nach drei Vierteln der Strecke – durchnässt und frierend – früher als geplant den Abstieg in den Nordosten der Insel in Angriff zu nehmen. Eigentlich hatten wir vor, die Nacht noch auf einem weiteren Gratis-Campingplatz zu verbringen, doch auch dieser ist aus unerklärlichen Gründen gesperrt.
So beginnt die Abfahrt im leichten Nieselregen, und wir werden zunehmend nervös: Abgesehen vom Nationalpark ist die Insel bis weit hinauf dicht besiedelt. Es fällt uns heute besonders schwer, einen geeigneten Platz zum Wildcampen zu finden. Schlussendlich werden wir doch noch fündig – weit hinten in einem Barranco (Schlucht), gut versteckt, finden wir unsere Ruhe.







Der nächste Tag bleibt wechselhaft, immerhin sind die Temperaturen auf Meereshöhe wieder meist angenehm. Da für den Tag darauf jedoch erneut starker Wind und Regen angesagt sind – und wir aus der letzten Nacht gelernt haben, dass es in dieser Region kaum geeignete Plätze zum Wildcampen gibt – entscheiden wir uns, weiter durch den saftig grünen Nordosten bis zum (diesmal kostenpflichtigen) Camping Punta del Hidalgo zu fahren.
Es geht der Küste entlang: mal hoch, mal runter, mal Regen, mal Sonnenschein. Wir staunen nicht schlecht, wie dicht verbaut Teneriffa auch hier im Nordosten ist. Auf den anderen Inseln war der Norden bisher meist deutlich ruhiger – wohl auch, weil es dort häufiger regnet und sich weniger Touristen dort hin verirren.
Kurz vor dem Camping passiert es dann: unser erster Platten. Doch das Loch ist schnell geflickt, und die Stimmung bessert sich schlagartig, als uns ein Einheimischer kurzerhand ein ganzes Bund Bananen schenkt.
Auf dem Campingplatz angekommen, kümmern wir uns als Erstes darum, das Zelt sturmfest zu machen. Wir spannen die Seile und machen uns auf die Suche nach zwei stabilen Holz-Stöcken. Unser Zelt hat nämlich eine Vorrichtung, bei der man (eigentlich) Wanderstöcke einspannen kann, um zusätzliche Stabilität zu gewinnen – nur haben wir keine dabei.
Mit etwas Improvisation steht das Zelt schliesslich bombensicher, und wir können uns entspannt auf die Suche nach einer warmen Dusche machen. Danach erledigen wir noch einen kleinen Einkauf für den bevorstehenden Sturmtag, den wir wohl im Zelt aussitzen werden.
Dabei fällt uns auch auf, wie speziell dieser Campingplatz gelegen ist: Genau in Hauptwindrichtung – der Nordostpassat bringt den Wind hier meist aus Nordosten – steht eine Kläranlage. Das bedeutet, dass man den Duft… sagen wir mal… den ganzen Tag geniessen darf 🙈💩.














An unserem Pausentag haben wir nicht nur Wein getrunken, sondern auch gleich die Fähre für den nächsten Tag nach Gran Canaria gebucht. Teneriffa ist uns, nüchtern ausgedrückt, verleidet. Die Insel hat uns, abgesehen vom Teide-Nationalpark, gar nicht angesprochen. Sie hat irgendwie einfach keinen Charme und wirkt für uns etwas oberflächlich. Das bestätigt uns dann auch die Weiterfahrt rüber zur Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife. Auf dem Endspurt zur Fähre werden wir nochmals bis auf die Unterhosen verregnet, für uns ein klares Zeichen, wir haben uns richtig entschieden, wir freuen uns auf die nächste Insel 😂!





Für noch mehr Einblicke in unseren Veloalltag schaut euch unser neustes Video an:

Lieber Beni
Liebe Nicole
Herzlichen Dank für den eindrücklichen Beitrag von Teneriffa.
Die Musik im Hintergrund beim Gleitschirmfliegen hat mir sehr gefallen und ist auch treffend…-
Das hat wirklich seeehr heftig gewindet am Schluss…
Gut seid ihr wieder im angenehmen Klima Portugals unterwegs!
Geniesst es,
liebe Grüsse, Heidi
Danke vielmals Mami / Heidi. Ja, wieder auf das Festland zu fahren, war die richtige Entscheidung, hier ist das Wetter wunderbar.
„SCHÖN GEFLOGEN – SCHNELL GEFLÜCHTET / SCHNELL GEFLOGEN – SCHÖN GEFLÜCHTET!“
Hallo Nicole und Beni
Diese Ausdrücke sind Programm für den letzten Insel-Hupfer – und Ihr formuliert es ja selbst noch krasser: Dieses Teneriffa hat Euch nicht angesprochen. Ich schliesse mich dieser Aussage hemmungslos an. Also, wenn nicht diese Flüge von Beni und die Kameraführung von Nicole dabei gewesen wären – und der kleine Kilimandscharo Teide – müsste ich schwer durchatmen. Wir haben gute Bekannte, ja eigentlich Freunde in Norwegen, und der Norweger als solches macht zwischendurch auch gerne mal wieder einen auf Vikinger und erobert in seinem Urlaub feucht-fröhlich Teneriffa (ohne a). Die grosse haudrauf Touri-Nummer eben. Da ist vermutlich wenig Spielraum für Euch als Extrem-Individualisten, die die Abgeschiedenheit förmlich suchen und den heftigsten Stürmen trotzen, und auch mal mit einer durch und durch nassgesifften Unterhose im Leben zurechtkommen. Trocken rumradeln kann doch jeder. Es scheint als hätte der Teneriffaner das Sanitär- und Wasserbaufach zur Vollendung gebracht – mehr geht da einfach nicht. Die Einwohner haben vollstes Vertrauen in ihre Wasserversorgung – anders als bei uns – und gerade deswegen sind solche Berichte wichtig, die sagen: kann man so machen! Und auch da liegt Ihr m. E. in der Beurteilung richtig: die Dinge haben kaum einen Charme. Sehr interessant, was es doch noch für Unterschiede gibt. Morgen fliegen unsere Tochter und ihr Freund nach Gran Canaria- ohne Velo – aber mit trockener Unterhose; bin gespannt was sie uns berichten. In der Zwischenzeit seid Ihr ja schon längst in Südspanien/Portugal angekommen und gemütlich am Sherry nippen. Wir wünschen Euch gute Passatwinde, die Euch gen Norden wohlwollend begleiten. Alles Gute viel Spass am Radeln und an Euch! Liebe Grüsse Markus und Stephanie🤙🏼
Hallo zusammen
Wieder einmal herrlich amüsant und unterhaltsam euer Kommentar, vielen Dank dafür!
Nach Teneriffa haben wir noch Gran Canaria und Fuerteventura besucht, daher ist es noch nicht ganz der letzte Insel-Hupfer gewesen – die Blogs dazu folgen dann noch 😉.
Wir hoffen, dass eure Tochter und ihr Freund eine gute Zeit auf Gran Canaria haben und von den Nachwehen des Sturms nicht mehr allzu viel zu spüren ist.
Ganz liebe Grüsse aus der Algarve