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Nachdem unsere Motivation in der spanischen Einöde litt, hatten wir endlich wieder ein Highlight auf dem Radar: die Halbwüste Bardenas Reales. Die rund 42’000 Hektar grosse Landschaft im Süden Navarras wirkt mit ihren bizarren Felsformationen, tiefen Schluchten und kargen Ebenen fast wie eine Kulisse aus dem Wilden Westen. Das Gebiet entstand über Millionen von Jahren durch Erosion und wurde aufgrund seiner einzigartigen Landschaft sogar zum UNESCO-Biosphärenreservat erklärt.
Doch bevor wir in diese Wildwest-Kulisse eintauchen konnten, lag noch ein gutes Stück Via-Verde-Radweg vor uns. Die ehemalige Bahnstrecke war wie gewohnt hervorragend ausgebaut, nur das Wetter liess extrem zu wünschen übrig. Die Temperaturen lagen bei gerade einmal 11 Grad und es regnete fast jeden Tag. Noch wenige Tage zuvor waren wir bei über 30 Grad unterwegs!
Aufgrund des vielen Regens und der häufigen Gewitter suchten wir gleich dreimal hintereinander einen Schlafplatz in einer zerfallenen Hütte. Von diesen gab es in der Region mehr als erwartet. Oft handelte es sich um ehemalige Bahnhofsgebäude entlang der stillgelegten Strecke. Der Zustand der Hütten war jedoch nicht immer gut genug: Häufig war das Dach bereits eingestürzt oder der Boden mit Müll übersät.











Zum Glück war der Tag, an dem wir die Bardenas Reales erreichten, sonnig, sodass die Lehmstrassen fast vollständig abtrocknen konnten. Über eine kleine Seitenstrasse gelangten wir mit dem Velo in die Halbwüste und konnten die Landschaft zunächst ganz ohne andere Besucher geniessen. Nach etwas mehr als einer Stunde erreichten wir dann die «Hauptstrasse» durch den Park. Der Verkehr hielt sich aber noch in Grenzen.
Mehrmals spürten wir die neugierigen Blicke der Touristen, die in ihren Campern an uns vorbeizuckelten. Viele von ihnen parkten irgendwo im Park und erkundeten die Gegend anschliessend mit ihren Elektrovelos 😅.
Wir waren bereits mehrere Stunden im anspruchsvollen Gelände unterwegs und unsere Kräfte schwanden langsam. Beni wollte unbedingt noch ein kurzes Stück auf eine kleine Nebenstrasse abbiegen, um die besondere Atmosphäre nochmals ohne andere Besucher geniessen zu können. Nicole war von dieser Idee überhaupt nicht begeistert, da uns dort möglicherweise noch nasser Lehm das Leben schwer machen könnte.
Beni schaffte es trotzdem, Nicole zu überzeugen – mit dem Versprechen, die Konsequenzen zu tragen, falls sie recht behalten würde 😂. Was soll ich sagen: Als nach fünf Minuten Schieben durch zentimeterdicken Lehm endlich wieder eine trockene Strasse auftauchte, wischte sich Beni erleichtert den Angstschweiss von der Stirn.









Jetzt wird es für uns langsam aber sicher surreal. Schon vor einigen Tagen haben wir entschieden, dass wir nach der Überquerung der Pyrenäen von der französischen Stadt Pau mit dem Zug nach Genf fahren werden.
Dafür gibt es mehrere Gründe. Der wichtigste ist wohl unser Heimweh. Seit einigen Wochen kreisen unsere Gedanken immer häufiger um die Schweiz. Wir schauen bereits nach Wohnungsinseraten und freuen uns riesig darauf, bald wieder in der Heimat zu sein.
Dazu kommt, dass Beni Mitte Juni wieder mit der Arbeit beginnt und vorher noch einiges erledigt werden muss. Da ist zum Beispiel unser geliebtes Auto, das wir ausgelöst haben und das zuerst noch durch den MFK muss, bevor wir es wieder einlösen können. Dann stellt sich die grosse Frage, wo wir künftig wohnen werden. Ausserdem haben wir unser Hab und Gut inzwischen seit fünf Jahren eingelagert. In dieser Zeit haben wir immer wieder Dinge aus den Kisten genommen und später an einem anderen Ort wieder verstaut. Entsprechend erwartet uns ein riesiges Chaos.
Nicole muss sich zudem überlegen, wo und was sie künftig arbeiten möchte. Und allein bis man alle Freunde wieder getroffen hat, vergeht die Zeit wie im Flug.
Als die Strecke hinauf in die Pyrenäen dann nochmals unbeschreiblich schön wird, kommen wir allerdings erneut ins Grübeln. Hätten wir lieber noch etwas mehr Zeit in den Bergen verbringen sollen? Hätte, hätte, Fahrradkette … Im Nachhinein ist man bekanntlich immer schlauer 😅. Eines wissen wir aber jetzt schon: In die Pyrenäen wollen wir definitiv noch einmal zurückkehren.
Die Strecke, die südlich von Pamplona zum Pass Port de Larrau hinaufführt, saugen wir deshalb noch einmal mit allen Sinnen auf. Die unberührte Natur begeistert uns und ist etwas, das wir in dieser Form bisher nirgends in Spanien erlebt haben. Wir haben eine kleine Gebirgsstrasse fast ohne Verkehr erwischt und als krönendes Highlight wartet nur 100 Höhenmeter unterhalb des Passes eine Art Schutzhütte auf uns. Dort sind wir vor Wind und Wetter geschützt und geniessen eine Aussicht, die kaum schöner sein könnte.
Am nächsten Tag wird es bei der Überquerung des Passes, und damit gleichzeitig der Landesgrenze, nochmals richtig emotional. Gleichzeitig fühlen wir uns in unserem Eindruck bestätigt, dass die Menschen in Spanien uns gegenüber nicht interessiert und verschlossen waren. Kaum sind wir in Frankreich, werden wir nämlich wieder herzlich angelächelt und mit einem Winken begrüsst.
Auch sehen wir plötzlich wieder deutlich mehr sportliche Menschen auf den Strassen: Velofahrer, Wanderer und Läufer. Alles wirkt auf uns ein wenig lebendiger.


















Nach einer berauschenden Abfahrt gönnen wir uns in der Stadt Pau noch ein letztes Mal eine Unterkunft. Vor der langen, zweitägigen Zugfahrt laden wir nochmals alle Akkus, waschen unsere Kleider und bereiten uns langsam auf das Ende dieses Abenteuers vor.
Dann geht es auch schon los. Mit den regionalen Bummlerzügen (dort braucht es keine Veloreservierung) fahren wir mit insgesamt drei Umstiegen bis nach Avignon. Dort schlagen wir unser Zelt im Garten eines Warmshowers-Hosts auf, bevor wir am nächsten Morgen früh den nächsten Zug nach Lyon nehmen. Von Lyon aus steigen wir ein letztes Mal um, Richtung Genf.
Je näher wir unserem Ziel kommen, desto nervöser werden wir. In Genf wird sich für uns ein Kreis schliessen. Oder wie die jüngere Generation sagen würde: Wir erleben unseren Full-Circle-Moment.
Denn noch am selben Tag treffen wir uns am Genfersee mit Lucia. Sie war unsere Lightning-Process-Trainerin und ohne sie hätten wir uns vor etwas mehr als einem Jahr vermutlich nicht einmal getraut, von einer erneuten Veloreise zu träumen. Damals schien dieses Ziel unendlich weit weg. Trotzdem wagten wir wenige Monate nach dem Seminar mit viel Mut, Vertrauen und dank ihrer professionellen Unterstützung den Schritt ins Abenteuer.
Anfangs waren wir selbst unsicher, ob das alles gut ausgehen würde. Ob wir die richtige Entscheidung getroffen hatten. Für uns gab es aber damals nur diese Option: Alles oder Nichts.
Heute können wir sagen, dass es die beste Entscheidung war, die wir treffen konnten. Zwar dauerte es noch einige Monate, bis wir die vollständige Gesundheit und das Vertrauen in unseren Körper erreichten, die wir heute geniessen dürfen, doch wir machten enorme Fortschritte. Und genau deshalb fühlt sich dieser Moment so besonders an.
Nach drei Jahren Krankheit begann unsere Reise damals hier in Genf. Nun endet sie ebenfalls hier – bei einem Kaffee, einem Bier, einem Stück Kuchen und mit einem Gefühl von Gesundheit, Freiheit und Dankbarkeit, das sich kaum in Worte fassen lässt. 🤩
Das Treffen mit Lucia bedeutet uns unglaublich viel. Endlich können wir ihr persönlich danken und ihr zeigen, wohin uns der Weg geführt hat. Gleichzeitig sprechen wir über die vielen schönen Neuigkeiten anderer Menschen, die durch uns ebenfalls den Weg zum Seminar gefunden haben und teilweise genauso beeindruckende Fortschritte erzielen konnten wie wir.
Als wir später am Genfersee sitzen, wird uns bewusst, wie viel sich in den letzten Monaten verändert hat.










Von Genf fahren wir jetzt am östlichen Seeufer nochmals kurz durch Frankreich und dann erneut über die Schweizer Grenze bis nach Vevey. Dort können wir es nicht lassen und stürmen in den erst besten Lebensmittelladen und decken uns mit unserer Lieblingsschokolade und einem Rivella ein 😍.
Von Vevey geht es dann hoch Richtung Bulle. Der Plan ist es, noch einen kleinen Umweg über die Engelberg-Region zu machen. Dort wollen wir uns ein paar Ortschaften anschauen, da wir nach der Reise sehr wahrscheinlich irgendwo in dieser Region wohnen möchten.
Doch zuerst machten wir nach einem steilen Anstieg für diesen Tag Schluss und stellten unser Zelt direkt an der Strasse, gut versteckt hinter einem Erdwall, auf.
Als wir alles aufgebaut hatten und unsere Pasta gemütlich am Köcheln war, hörten wir plötzlich das Heulen eines Motors – wie auf einer Rennstrecke. Ein paar Sekunden später folgte lautes Reifenquietschen, dann ein extrem lauter Knall und gleich nochmals ein Knall.
Sofort sprangen wir auf und rannten zur Strasse, um zu schauen, ob jemand verletzt war. Es war so laut, dass wir mit dem Schlimmsten rechneten! Zwei sehr junge BMW-M3-Fahrer (wie aus dem Bilderbuch) standen zum Glück bereits neben ihrem komplett geschrotteten Auto und meinten, sie seien unverletzt. Vier Auspuffrohre verleihen halt leider auch keine zusätzlichen Fahrkünste. Diesen beiden Rasern hat die Leitplanke an diesem Abend vermutlich das Leben gerettet, denn direkt dahinter ging es bestimmt 20 Meter in die Tiefe. Von der Wucht des Aufpralls wurden sie zurück auf die andere Strassenseite katapultiert. Zum Glück war gerade niemand auf der Gegenfahrbahn unterwegs. Wir wollen uns gar nicht ausmalen, was sonst hätte passieren können.
Als dann der Abschleppwagen und die Polizei eintrafen, waren wir erleichtert, solchen Rasern gehören Führerausweis und Auto auf unbestimmte Zeit entzogen.
Erholt vom abendlichen Schreck ging es für uns weiter bergauf Richtung Zuhause. Nur hatten wir das Wetter komplett unterschätzt und, ehrlich gesagt, war die Prognose auch viel zu optimistisch. So quälten wir uns den ganzen Tag bei heftigem Regen und teils Schneeregen bei 4 Grad durch die schöne Region „La Gruyère“.
Da wir seit ein paar Stunden wussten, dass wir – bis wir eine Wohnung gefunden haben – wieder in unsere alte Wohnung auf dem Bauernhof in Birr dürfen, haben wir nach einem weiteren Blick auf die Wetterprognose (die für die nächsten Tage nicht besser aussah) entschieden, auch in der Schweiz noch den Zug zu nehmen, von Bulle direkt nach Hause.












Angekommen in Birr beenden wir unsere 7-monatige Reise – voller Stolz und mit unzähligen schönen Erinnerungen im Gepäck. Mit grosser Vorfreude planen wir jetzt, wie unser Leben hier in der Schweiz weitergehen soll. Unser Ziel ist es, für längere Zeit in der Heimat zu bleiben und ein schönes neues Zuhause in den Bergen zu finden.
Herzlichen Dank an alle, die uns auf unserem Weg begleitet und so liebe Worte dagelassen haben! Die nächste Reise kommt bestimmt und führt uns dann vermutlich wieder auf abenteuerlichere Fährten.
Bis dahin alles Gute! ❤️



Für noch mehr Einblicke in unseren Veloalltag schaut euch unser neustes Video an:

Hoi Zämme
jetz wo dir widr in dr Schwiiz sin muess i grad im Dialäkt afo schriibe…ä härzligs Willkomme drheim!!! Auf den ersten Blick sieht es für euch eher nach Portugisisch aus – abr es isch tatsächlich ä igfärbts Baseldytsch.
Ich spüre selber auch, wie bei mir die Schreibkräfte nach den vielen Monaten des Kommentierens langsam schwinden und sich ein brennender „Schreibwolf“ sowie „Hämorrhoiden“ vom „Sesselpupsen“ bemerkbar machen. Nie haben wir Klagen von euch in eine dieser Richtungen gehört…und Gott sei Dank wurden auch keine Unfälle und Stürze vermeldet. Die Unfallschilderung mit den M3-Fahrern – das ist ein typisch schweizerischer Empfang gewesen. Im Aargau könnt ihr jetzt praktisch täglich so eine Meldung lesen – Alltag halt im Wohlstandsland. Aber ihr habt uns wieder aufgezeigt – Platz ist in der kleinsten Hütte und es gibt in Europa so tolle Orte. Danke für die wiederum einprägsamen Bilder. Was ich dringend brauche, ist eine Aufklärung nach welchen Kriterien ihr eine Strecke auswählt, warum ihr fast keine Städte anfahrt und auch die Tourinummern eher meidet. Sowas muss man natürlich bei einem Kaffee oder Cerveza besprechen. Und schön, dass ihr eure Helferin Lucia getroffen habt um ihr einszueins zu zeigen wie fit ihr wieder seid. Tolle Geste! Auch ich möchte in einem kurzen Resümee (ja, ist richtig geschrieben) Folgendes festhalten: Unsere Bekanntschaft mit euch, da ihr durchaus auch unser Kinder sein könntet, tut uns gut und das warten auf einen nächsten Bericht hat den Rentneralltag auch spannend gemacht. Das Zurückschreiben hat mir Spass gemacht und es waren doch: 13h 49m und 35s am Bildschirmzeit – 103 Mal die Treppe runter und hoch um Kaffee zu holen, dabei jedes Mal 2.54 Höhenmeter zurückgelegt – 1 Mal den Fuss verstaucht – 38kWh Strom verbraucht und ca. 2’367Mio Buchstaben getippt. (Wie beim Lotto: Angaben ohne Gewähr, grobe Schätzung). Wir wünschen Euch, dass Ihr ein schönes Plätzli findet, wo Ihr Euch wohlfühlt! Und wo wir auch gerne mit dem Auto z. B. M3 hinfahren würden. Den Rest besprechen wir gerne auf einem andern Kanal…Bis bald, mit lieben Grüssen Markus und Stephanie🙋🏻♂️😘🙋🏼♀️
Oh so schön gesund zu Hause 🫶Nun könnt ihr ne lange Zeit an den wunderschönen Erlebnissen zehren Danke für die tollen Berichte 👍
Willkommen im Altag 🙈
Seid lieb umarmt 🥰🫶Lilian Hansjörg und es wau wau Susi 🐾