Georgien – Abschied von einem faszinierenden Land

Nach exakt drei Monaten neigt sich die wunderschöne Zeit in Georgien langsam dem Ende zu.
Es heisst somit für uns ein letztes Mal in die Hauptstadt Tiflis zurückzukehren, nachdem wir das Abenteuer im Waschlowani-Nationalpark erleben durften.

Das Ziel war, die restlichen Kilometer zurück in die Hauptstadt so schnell wie nur möglich hinter uns zu bringen, da die Route entlang einer sehr befahrenen Strasse verläuft.
Nach einigen knappen Überholmanövern haben wir uns in Schale geworfen und wieder einmal unsere Leuchtwesten übergestreift. Zusätzlich halfen wir mit einem Abstandsstecken denjenigen auf die Sprünge, welche sich nicht vorstellen können, wie es ist, wenn man mit nur ca. 20 cm Abstand und einer Geschwindigkeit von 100 km/h von einem Auto überholt wird.

Die Fahrt verlief glimpflich und für die letzte Zeltnacht in Georgien haben wir uns einen fürstlichen Ort ausgesucht:

Nach einem weiteren Tag auf der unattraktiven Strasse erreichten wir, überzogen mit einer leichten Russschicht, die Stadt. Für die letzten 5 Tage hatten wir noch ein taffes Programm vor uns liegen. Zuerst begaben wir uns zum Impfzentrum (nach 3 Monaten im Land durften wir als Touristen eine Impfung beanspruchen), wo wir mit der 1. Dosis Pfizer/Biontech geimpft wurden. Mit Schmerzen im Arm und extrem geschwächt von der Impfung stand als nächster Programmpunkt die Beschaffung von Velokartons für den Flug sowie Kartons für unsere Velotaschen auf dem Plan. Wir hatten Glück und wurden im ersten Velogeschäft fündig. Sperrig beladen nahmen wir für die Rückfahrt den Bus 😄.

Von jeder Fluggesellschaft werden andere Masse und Maximalgewichte für die Mitnahme von Velos vorgegeben. Gar nicht so einfach mit einem XL-Velorahmen von Beni dies einhalten zu können 😅. Nach stundenlangem Hin und Her hatten wir unsere Velos und die gesamte Ausrüstung in den Kartons verteilt, zerlegt und zugeklebt.

Den eher mühsamen Teil hinter uns gebracht, folgten nun noch zwei wunderschöne Abende mit Freunden, die wir in Georgien kennen lernen durften. Am ersten Abend lösten wir unser Versprechen ein und luden die Familie von Khatuna (welche uns für mehrere Tage bei sich und im Ferienhaus übernachten liess) in die Pizzeria Farina von Rainer (dem Schweizer, der uns auch mehrmals geholfen hat) ein. Es war ein Riesengaudi, Rainer und seine Freundin backten uns eine leckere Pizza nach der anderen.
Am nächsten Tag, als wir noch ein letztes Mal mit Dario und Lisa thailändisch essen gingen, mussten wir uns auch von ihnen verabschieden. Es fiel uns nicht leicht, haben wir doch so einiges zusammen erlebt und durchgestanden. So endete unser Aufenthalt in Georgien mit sehr viel Wehmut und unvergesslichen Erinnerungen im Gepäck ❤️🇬🇪.


Nach 3 Monaten in Georgien ist es Zeit für eine Zusammenfassung und einen Rückblick:

  • Hilfsbereitschaft: Die Georgier sind von Haus aus sehr hilfsbereit. Wir wurden oft mit reichlich Wein, Chacha und Essen beschenkt und hin und wieder zum Übernachten eingeladen. Als sehr angenehm haben wir es auch empfunden, dass wir niemals das Gefühl hatten, dass man uns als Touristen über den Tisch ziehen möchte. Wir wurden immer sehr fair und gleichermassen wie Einheimische behandelt. Ausgenommen vielleicht in der Grossstadt Tiflis. Hier werben nicht nur Touranbieter, sondern zurzeit vor allem PCR-Testlabore.
  • Strassen: Hinter dem Steuer endet die Gastfreundschaft der Georgie leider sehr rasch und der Nationalsport Überholen in unübersichtlichen Situationen kommt zum Vorschein. Die junge Generation empfindet dies auch als lästig und sie entschuldigten sich einige Male bei uns für das rücksichtslose Verhalten der meist älteren Personen, die doch sehr halsbrecherisch unterwegs sind.
    In den Grossstädten ist es daher nicht sehr zu empfehlen mit dem Velo umher zu kurven. Sobald man sich jedoch in ländlichen Gebieten aufhält, hat es sehr wenig Verkehr, die Strassen sind meistens in einem guten Zustand (ausser man befährt sehr abgelegene Regionen) und das Fahren macht einfach nur Spass.
  • Essen: Wow, so reagierten wir auf das georgische Essen! Einfach der Wahnsinn wie die Leute selbst in den abgelegensten Orten aus ihrem eigenen Garten mit viel Kräutern richtige Gaumenschmäuse herbeizaubern.
    In den meisten Restaurants / Regionen ist es so, dass es oftmals eine beinahe einheitliche Menü-Karte mit den sechs typischen Gerichten gibt:
    Khinkali – georgische Teigtaschen, entweder gefüllt mit Fleisch, Pilzen oder Kartoffeln
    Khachapuri – mit Käse gefüllter Brotteig, je nach Region gibt es das Khachapuri in unterschiedlichen Varianten. Manche Brotteige sind wie ein Schiff geformt, dessen Inneres mit Käse gefüllt wird, andere sind wie eine Pizza geformt und die Füllung befindet sich im Inneren des Hefeteigs.
    Lobiani – mit Bohnenmousse gefülltes Khachapuri und um einiges leichter verdaulich als die Käsevariante
    Mzwadi (georgisches Schaschlik) – Fleischspieße, die über offener Glut gegrillt werden. Als Saucen werden zum Fleisch häufig süsse Pflaumen oder eine Mirabellensauce (Tkemali), Tomatensauce (Sasebela) oder ein sehr scharfer Dipp auf Peperoni-Basis (Adschika) gereicht.
    Badridschani – mit Walnusspaste gefüllte Auberginen
    Georgian Salad – Tomaten-Gurken Salat mit violettem Basilikum, Peterli und Zwiebeln an einer feinen Sonnenblumenkernöl-Sauce
  • Sauberkeit: Auch hier, ähnlich wie in der Ukraine, wird der Abfall aus dem fahrenden Auto rausgeworfen. Es stapeln sich haufenweise Abfallberge neben überfüllten Containern. In den Flüssen wird, sobald der Wasserpegel ansteigt, reihenweise Plastikmüll mitgespült. Schade, dass kein funktionierendes Abfallsystem existiert. So konnten wir beobachten, wie jemand seine Frontscheibe des Autos in einen daneben stehenden Container entsorgte. Dort drin befanden sich auch Kartons, Batterien und vieles mehr.
  • Trinkwasser: Das Beschaffen von Trinkwasser ist im ganzen Land problemlos möglich. Es gibt einerseits Quellen, wo auch die Einheimischen ihre Wasservorräte auffüllen und in abgelegenen Orten kann von den Bächen das Wasser angezapft werden.

Von Herzen können wir jedem einen Besuch in Georgien empfehlen, wir kommen auf jeden Fall wieder!

4 Kommentare zu „Georgien – Abschied von einem faszinierenden Land“

  1. PETER UND MARLENE FREY

    LIEBE NICOLE, LIEBER BENI,
    WIR WÜNSCHEN EUCH GUTE „SCHLUSSPACKETE“ UND GUTEN TEILRÜCKFLUG, TEILBAHNFAHRT UND DANN GEMÜTLICHES TRAMPEN HEIM IN DIE SCHWEIZ. WIR WÜRDEN UNS FREUEN EUCH DANN EINMAL BEIM MAX IN BIRR ANZUTREFFEN UND ZUHÖREN ÜBER EURE BISHERIGEN ERLEBNISSE / ERFAHRUNGEN VON EURER BISHERGEN VIELSEITIGEN EXPEDITION.
    MIT DEN BESTEN WÜNSCHEN UND AUF WIEDERSEHEN MAL IN BIRR
    EURE PETER UND MARLENE F R E Y BIRR HELLMATT.

    1. Lieber Peter & liebe Marlene
      Wir sind gut nach Hause geradelt und freuen uns ein paar Monate zu Hause verbringen zu können, obwohl wir uns bereits jetzt schon auf die Fortsetzung freuen.
      Das wäre toll, wir hoffen auch auf ein Treffen mit euch.
      Beste Grüsse

  2. Liebe Nicole, lieber Beni,
    Danke, dass ich aus der Ferne mit dabei sein durfte bei eurer abenteuerlichen Reise. Georgien steht seit euren tollen Reiseberichten auf Platz 1 meiner Wunschdestinations-Liste.
    Willkommen zurück in der Schweiz und alles Gute für euren neuen Lebensabschnitt.
    Lieber Gruss, Marleen

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